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KOMMENTAR - Die Folgen der neuen Sarrazin-Kampagne für die politische Kultur in Deutschland 2010 / II

*** news-online.de :: wissen, was zählt *** KOMMENTAR - Die Folgen der neuen Sarrazin-Kampagne für die politische Kultur in Deutschland 2010 / II ***23.52h: KOMMENTAR *** news-online.de :: wissen, was zählt *** Was in der Beckmann-Sarrazin-Integrationsdebatte (ARD, 30.8.2010) fehlt, ist die Idee einer neuen Nachbarschaft, die Frage nach der demokratischen Zukunft Deutschlands (Metathemen), das Problem der besseren politischen (!) Beteiligung der neuen Einwanderungsgesellschaft (Kommunalwahlrecht etc), die Frage des beruflichen Integrationsbeitrags der deutschen Wirtschaft, die defizitäre, auf Vertagung, Vertröstung und Vereinzelung aufbauende Handhabung von bildungspolitischen Problemen durch die deutschen Bundes- und Landesregierungen (1970-2010).  Einwanderung und Integration sind in Deutschland seit den 60er Jahren keine unbekannten Fragen - die Antworten jedoch will man seit Jahrzehnten bei den für den staatlichen (Finanz-) Haushalt verantwortlichen politischen Entscheidern nicht zur Kenntnis nehmen - insbesondere dann, wenn sie Geld erfordern. ***

Hinzu kommt die demokratische Bequemlichkeit der deutschen Nachkriegsgesellschaft, die - verwöhnt durch lang anhaltenden Wohlstand und die Abwesenheit von Kriegen - dem Staat und seinen Akteuren aus Politik und Wirtschaft alles das überlassen hat, was nicht unmittelbar privat und ganz persönlich zu regeln ist. Freiwilliges Engagement, Ehrenamt, soziale und politisches Engagement durfte eine Minderheit von Bürgern immer gerne zeigen und damit zur Unterhaltung in den Medien beitragen. Eine aktive Zivilgesellschaft jedoch, die sich grundsätzlich um das Wohlergehen jedes (!) Mitbürgers kümmert, sich politisch interessiert und einmischt und zum Beispiel aktive Gastfreundschaft gegenüber Ausländern pflegt, ist weder unter Merkel, Schröder oder Kohl entstanden und auch die 1989/1990 hinzugekommenen Deutschen aus dem östlichen Teil des Landes konnten solche Standards - so weit sie bei ihnen tatsächlich vorhanden gewesen sein mögen - in das vereinigte Deutschland nicht integrieren. *** Dass heute ausgerechnet die Staatsökonomen von der Art eines Thilo Sarrazin  (Berliner Finanzsenator, Bundesbankvorstand) mit Ratschlägen aus der beschränkten Sicht der Geld- und Finanzpolitik unser Land retten werden, nachdem sie die Finanzkrise 2009 offenbar nicht ausreichend analysieren und abwenden konnten, muss dem politischen Betrachter im Spätsommer 2010 als schlechter Scherz erscheinen. *** (c) sfu 2005-2010

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